

Anregungen zum Schmökern und Genießen, von Leseratte zu Leseratte.
Weshalb eine literarische Teestube? Die Frage ist recht einfach zu beantworten. Ich fand im Netz eine Unzahl von Tummelplätzen, wo sich leseversessene Kaffeetrinker austoben konnten. Doch weit und breit war kein heimeliges Plätzchen für büchernärrische Teeliebhaber zu sehen. Da kam mir der Gedanke, eine literarische Teestube zu eröffnen. Das Äquivalent zu all jenen Literaturcafés, nur eben für die Teetrinker unter den Leseratten
Dieses Buch ist, zur Abwechslung, einmal auf Englisch. Aber keine Angst – die "Altersfreigabe" ist "10 up", d.h., sogar Englischbanausen wie ich können es problemlos und mit Vergnügen lesen.
Wie die Kategoriewahl andeutet: es geht, mal wieder, um das alte Ägypten. Die Hyksos sind, um ca. 1500 v. Chr., schon seit langer Zeit unumstrittene Besatzer Ägyptens und haben sich in Avaris, einer von ihnen errichteten Festungsstadt im Nildelta, häuslich eingerichtet. Doch unter Pharao Sekenenre Tao beginnt sich Widerstand gegen die Fremdherrscher zu formieren. Der junge Rahotep, zweiter Sohn des Vizekönigs von Kusch, folgt, als er nach dem Tod seines Vaters von seinem älteren Bruder Unis vertrieben wird, dem Ruf des Pharaos in den Norden Ägyptens. Dort gerät er nicht nur mitten in den Krieg gegen die grausamen Hyksos. Beinahe ebenso gefährlich für ihn und seine Freunde, sind die Verschwörungen am Hof – denn der oberste Wesir und die Anubis-Priesterschaft wenden sich gegen die Aufstandspläne des Pharao und planen einen Anschlag auf dessen Leben…
Nun, wer die Geschichte Ägyptens kennt, weiß: Sekenenre Tao wird sterben (in der offiziellen Geschichtsschreibung fiel er allerdings in einer Schlacht), auch sein Erbe Kamose wird ihm nach kurzer Zeit folgen (auch wenn er am Ende des Buches noch lebt). Den Thron wird Ahmose besteigen, der jüngere Bruder Kamoses, der einst Bezwinger der Hyksos und Begründer des "Neuen Reiches" werden soll. Und mit eben diesem wagemutigen Prinzen hat unser Held Rahotep soeben Freundschaft geschlossen… wir dürfen also Spannung erwarten.
Und spannend wird es in der Tat, soviel kann ich versprechen. Das Buch hat alles, was ein guter historischer Schmöker braucht: viele spannende Kämpfe, ein paar dramatische Verletzungen, Verschwörungen, richtig schöne Bösewichter und interessante Nebenfiguren. Der historische Hintergrund ist dabei gut gelungen, obwohl die Autorin sonst mehr für SiFi- und Fantasyromane bekannt ist. Wirklich einziger Nachteil an diesem Roman: er ist zu kurz. Vermutlich, weil er als Kinderbuch konzipiert wurde, ist er nur knappe 250 Seiten lang – das reicht natürlich nicht für den kompletten Hyksoskrieg. Gerade also, als das Kampfgeschehen richtig losgehen müßte… ist die Geschichte zu Ende. Die erzählte Handlung ist lediglich eine Art "Episode" inmitten des beginnenden Krieges. Zudem werden, aufgrund dieser Kürze, auch einige vielversprechend beginnende Handlungsstränge zu knapp gehalten – der Bruderzwist zwischen Rahotep und Unis, die Anubispriester-Verschwörung, der rebellische Teti, der Unis dessen Trohn in Kush abnehmen möchte: daraus hätte man viel, viel mehr machen können.
Viele gute Ansätze also, und leider keine Fortsetzung. Es wird auch keine mehr geben, denn das Buch erschien 1960, und Andre Norton ist, leider, 2005 verstorben. Man muss die Geschichte um Rahotep, seinen schwarzen Leoparden Bis, seinen Freund Kethi, die Prinzen Kamose und Ahmose und die bösen Anubispriester und Hyksos also selbstätig weiterspinnen. Aber andererseits: das kann ja auch sehr lustig sein
…
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