Tee

Ob ich morgen leben werde, weiß ich freilich nicht. Aber daß ich, wenn ich morgen lebe, Tee trinken werde, weiß ich gewiß. (Gotthold Ephraim Lessing, dt. Schriftsteller und Kritiker, 1729-1781)

Lesen

Gern lesen heißt, die einem im Leben zugeteilten Stunden der Langeweile gegen solche des Entzückens einzutauschen.
(Charles de Montesquieu, franz. Rechtsphilosoph und Schriftsteller, 1689-1755)

Seiten

Bücher

Bücher sind kein geringer Teil des Glücks. Die Literatur wird meine letzte Leidenschaft sein.
(Friedrich II., der Große, preuß. König , 1712-1786)

Phantasie

Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung.
(Eugène Ionesco,1909 -1994 rumänisch-französischer Dramatiker)

Stöberblogs

Liebe

Das Glück ist die Liebe, die Lieb' ist das Glück, ich hab es gesagt und nehm's nicht zurück!
(Adelbert von Chamisso, dt.-franz. Dichter und Naturforscher, 1781-1831)


Anregungen zum Schmökern und Genießen, von Leseratte zu Leseratte.

Weshalb eine literarische Teestube? Die Frage ist recht einfach zu beantworten. Ich fand im Netz eine Unzahl von Tummelplätzen, wo sich leseversessene Kaffeetrinker austoben konnten. Doch weit und breit war kein heimeliges Plätzchen für büchernärrische Teeliebhaber zu sehen. Da kam mir der Gedanke, eine literarische Teestube zu eröffnen. Das Äquivalent zu all jenen Literaturcafés, nur eben für die Teetrinker unter den Leseratten

Ja, wieder einmal Ägypten, aber dieses Buch hier ist, mit Sicherheit, auch für Nicht-Ägyptomanen ein Lesevergnügen. Und "Vergnügen" meine ich hier wörtlich :) ! Um eine kurze Vorstellung von diesem Buch zu vermitteln, könnte man fragen: was würde passieren, wenn ein Terry Pratchett sich mit der altägyptischen Götterwelt und dem berühmten Auszug aus Ägypten befassen würde?

Ich denke, herauskommen würde etwas wie "Der Nomadengott" von Gerd Scherm.

Wir befinden uns im Jahre 1500 v. Christus. Alles beginnt damit, dass Pharaoh Ahmose beschließt, die Hyksos – die vor Generationen als Wirtschaftsflüchtlinge nach Ägypten kamen, sich dann zu bösen Fremdherrschern aufschwangen, mittlerweile aber eigentlich friedlich als Devotionalienhändler oder Badeaufseher arbeiten – aus dem Land am Nil zu vertreiben. Und angesichts der Umstände machen sie die Hyksos lieber auf den Weg, ehe sie hinausgeworfen werden. Während sich eine Gruppe, deren Geschichte heute noch relativ bekannt ist, um Moses und Aaron schart, folgt der Roman einem anderen (heute leider weniger bekannten) Häuflein Hyksos, um den Schreiber Seshmosis. Jene kleine Gruppe, die sich aus strategischen Gründen in "Tajarim" umbenennt, stellt irgendwann zu ihrer Verwunderung fest, dass sie von GON ("Gott ohne Namen") auserwählt worden ist. Ganz zu schweigen davon, daß außerdem einer der ihren (der Devotionalienhändler) versehentlich das magische Ankh des Krokodilgottes Suchos in die Finger bekommen hat und nun erstens hübsch grünlich leuchtet und zweitens so das Augenmerk der ägyptischen Götter auf die kleine Schar zieht – was weitreichende Konsequenzen hat. Und während GON, der ein wenig kurzsichtig ist (ein kleines Problem, wenn die Macht eines Gottes nur so weit reicht, wie er sehen kann…) und vorzugsweise als Katze erscheint (weil er nur Erscheinungsformen in der Größe 30 x 30 Zentimeter annehmen kann), mit dem Schreiber Seshmosis über die sinnvolle Ausführung von Geboten diskutiert ("Du sollst nicht töten – es sei denn, dir will jemand an den Kragen…"), klaut der böse Dämon Apophis die Sonnenbarke des Ra, Stiergott Apis schmuggelt sich in die Rinderherde der Tajarim, um besagtes Ankh im Auge zu behalten, die Tajarim beschließen in demokratischer Abstimmung den Auszug aus Ägypten aufzuschieben, um erst einmal die Pyramiden zu besichtigen…

Es ist eine verrückte Geschichte, hinreißend komisch, dabei aber gleichzeitig verblüffend tiefgründig. Man lernt viel über die Götterwelt (nicht nur über die ägyptische), erfährt einige amüsante geschichtliche Details (wusste jemand hier, dass es die alten Griechen waren, die die schönen ägyptischen Benben-Steine in "Obelisken" – d.h. "Bratspieße" umtauften?) und bekommt mit einem fröhlichen Augenzwinkern einige eigentlich doch sehr nachdenklich stimmende Denkanregungen serviert (nicht nur zum Thema "Zehn Gebote"). Sicher, echte Ägyptomanen mögen bemängeln, dass es der Autor mit den historischen Details nicht ganz so genau genommen hat, wie mit den mythologischen. (Oder die im Rahmen dieses Romans schlicht nicht genauso wichtig waren?) Und vielleicht hätte die vielversprechende Geschichte um das Ankh eine etwas größere Rolle spielen können. Aber andererseits wartet das Buch mit einem derartigen Feuerwerk witziger Einfälle und Überraschungen auf, dass man über solche Kleinigkeiten gern hinwegsieht.

Alles in allem also ein echter Leckerbissen – für Ägyptomanen ebenso wie für alle, die über Götter und Menschen gleichermaßen lachen können.

Und wer jetzt neugierig geworden ist: www.nomadengott.de ist die Homepage des Autors. Sogar eine Fortsetzung, "Die Irrfahrer", ist dort angekündigt, sie soll 2007 erscheinen. Wir freuen uns darauf – dann geht es offenbar mit der griechischen Götterwelt weiter ;) .



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