

Anregungen zum Schmökern und Genießen, von Leseratte zu Leseratte.
Weshalb eine literarische Teestube? Die Frage ist recht einfach zu beantworten. Ich fand im Netz eine Unzahl von Tummelplätzen, wo sich leseversessene Kaffeetrinker austoben konnten. Doch weit und breit war kein heimeliges Plätzchen für büchernärrische Teeliebhaber zu sehen. Da kam mir der Gedanke, eine literarische Teestube zu eröffnen. Das Äquivalent zu all jenen Literaturcafés, nur eben für die Teetrinker unter den Leseratten
Zugegeben, es ist eigentlich viel zu früh für Weihnachtsgeschenke. Doch dieses kleine Büchlein ist so zauberhaft, dass man es eigentlich zu jeder Jahreszeit lesen kann.
Erzählt wird die Geschichte einer Ratte. Doch handelt es sich hier nicht um eine gewöhnliche Feld-, Wald- und Kanalratte. Nein. Walter ist etwas besonderes. Er ist eine Leseratte. Weshalb er lesen kann, das weiß er selbst nicht so genau – aber er tut es mit Begeisterung. Sehr wählerisch konnte er dabei lange Zeit nicht sein – immerhin ist es der Willkür von uns Zweibeinern überlassen, welche Bücher sich auf einer Müllkippe finden.
Man kann sich daher die Begeisterung des pelzigen Gesellen vorstellen, als er – ein wenig betagt schon – eine neue Heimat im Hause einer Schriftstellerin findet. Lange Zeit lebt er dort in Ruhe und Frieden, als stillschweigender und ungesehener Nutznießer der kleinen Privatbibliothek.
Doch eines Tages macht Walter eine traurige Entdeckung. Die von ihm so verehrte Schriftstellerin schreibt Kinderbücher über Mäuse. Über Mäuse! Nicht über intelligente, saubere, gelehrige (und belesene) Ratten. Sondern über ganz gewöhnliche Mäuse! Walter ist zutiefst empört – und beschließt, der Schriftstellerin einen Brief zu schreiben.
Und mit diesem Brief beginnt eine wunderbare Geschichte …
“Ein Weihnachtsgeschenk für Walter” (Im Original “Walter: The Story of a Rat”) von Barbara Wersba ist eigentlich ein Kinderbuch, bestimmt für Kinder im Alter von 6-7 Jahren. Doch die Geschichte ist so liebevoll, so einfühlsam und detailliert erzählt, dass Leser jeden Alters ihre helle Freude daran haben dürften.
Nicht unwesentlich tragen hierzu auch die märchenhaften Bilder von Donna Diamond bei. Walter erscheint nicht als eines jener vermenschlichten Comic-Tierchen – er darf eine “echte” Ratte” bleiben, die Kerzen zernagt und ihr Nest unter den Dielen eines alten Hauses baut. Aber zugleich ist Walter auch die Leseratte, die sich selbst nach Sir Walter Scott benennt und im Lampenschein in alten Büchern schmökert. Vielleicht werden sich jene Leser, die – wie ich – selbst Ratten als Haustiere halten oder hielten – von dieser gelungenen Gratwanderung besonders angesprochen fühlen. Doch auch jeder andere Liebhaber von Tiergeschichten wird hier auf seine Kosten kommen.
In Wort und Bild wird eine nicht nur romantische, sondern auch sehr nachdenkliche Geschichte erzählt: Über stilles Vergnügen, über Vertrauen, über Einsamkeit, über Freundschaft und Hoffnung. Ein rundum gelungenes Gesamtkunstwerk, auch in der deutschen Übersetzung durch Barbara Küper.
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