Tee

Ob ich morgen leben werde, weiß ich freilich nicht. Aber daß ich, wenn ich morgen lebe, Tee trinken werde, weiß ich gewiß. (Gotthold Ephraim Lessing, dt. Schriftsteller und Kritiker, 1729-1781)

Lesen

Gern lesen heißt, die einem im Leben zugeteilten Stunden der Langeweile gegen solche des Entzückens einzutauschen.
(Charles de Montesquieu, franz. Rechtsphilosoph und Schriftsteller, 1689-1755)

Seiten

Bücher

Bücher sind kein geringer Teil des Glücks. Die Literatur wird meine letzte Leidenschaft sein.
(Friedrich II., der Große, preuß. König , 1712-1786)

Phantasie

Die Freiheit der Phantasie ist keine Flucht in das Unwirkliche; sie ist Kühnheit und Erfindung.
(Eugène Ionesco,1909 -1994 rumänisch-französischer Dramatiker)

Stöberblogs

Liebe

Das Glück ist die Liebe, die Lieb' ist das Glück, ich hab es gesagt und nehm's nicht zurück!
(Adelbert von Chamisso, dt.-franz. Dichter und Naturforscher, 1781-1831)


Anregungen zum Schmökern und Genießen, von Leseratte zu Leseratte.

Weshalb eine literarische Teestube? Die Frage ist recht einfach zu beantworten. Ich fand im Netz eine Unzahl von Tummelplätzen, wo sich leseversessene Kaffeetrinker austoben konnten. Doch weit und breit war kein heimeliges Plätzchen für büchernärrische Teeliebhaber zu sehen. Da kam mir der Gedanke, eine literarische Teestube zu eröffnen. Das Äquivalent zu all jenen Literaturcafés, nur eben für die Teetrinker unter den Leseratten

Archive for the 'Ägypten' Category

Gerd Scherms “Die Irrfahrer”, erschienen Februar 2007, ist die Fortsetzung des wunderbar augenzwinkernden Romans “Der Nomadengott”, dessen (begeisterte) Rezension vor einiger Zeit hier in der Teestube erschien.

Wer sich erinnert: Die Tajarim, erwählt von GON, dem ein wenig kurzsichtigen Gott ohne Namen, der vorzugsweise als rotgetigerte Katze erscheint, waren aus Ägypten ausgewandert und – nach zahlreichen Abenteuern – in Byblos gelandet.

Einige der ihren beschließen nun, von hier aus eine Seefahrt ins Ungewisse zu unternehmen. Kalala, die nubische Prinzessin, um ihrem geliebten Sänger El’Vis eine Tournee zu ermöglichen, einige andere eher aus geschäftlichen Gründen – man hat schließlich eine der neumodischen “AGs” gegründet, eine Anteilsgesellschaft, und gedenkt mit allerlei Handel guten Gewinn zu erzielen.

Seshmosis, seines Zeichens Schreiber und GONs Prophet, schließt sich den Seefahrern nur widerstrebend an – eigentlich hatte er das ruhige Leben in Byblos genossen. Doch seine Neugier, die ihn ein Amulett mit seltsamen Zeichen hatte erstehen lassen, an dem dunkel gewandete Fremde nun ein unerwartetes Interesse zeigen, sowie, nicht zuletzt, GONs entschiedener Reisewunsch, stimmen ihn um.

So kommt es, dass unsere Tajarim erneut auf große Fahrt gehen – nach Griechenland. Und wer den ersten Teil der Romanreihe gelesen hat, der ahnt bereits, was zu erwarten steht: Ein herrlich witziger und zugleich äußerst lehrreicher und zum Nachdenken anregender Ausflug durch die altgriechische Mythologie und Götterwelt, in der GON als “Jokeros” für einige Turbulenzen sorgt.

Wollten wir nicht schon immer wissen, wie das mit Theseus und dem Minotaurus wirklich war? Woher die Zyklopen den Ruf hatten, nur ein Auge zu besitzen und wie Odysseus auf die listige Idee kam, sich “Niemand” zu nennen? Haben wir uns je gefragt, warum einigen Götterstatuen die Arme nun tatsächlich fehlen und weshalb in Homers Epos so lange Namenslisten auftauchen? Und was hat ein Nordmann namens Ikeas mit Schiffsbausätzen zu tun?

Und während die Tajarim ihre Reise beginnen, um all dies und noch viel mehr zu erfahren, sorgt ihr (verstorbener) Gefährte Aram, der Bademeister, in der ägyptischen Unterwelt für einige Unruhe, als er das neue Badehaus der Götter ausgerechnet mit Wasser aus dem Strom des Vergessens speist. Ein Versehen, welches sich für ihn, ein goldenes Kalb und vor allem für Horus und Hathor als äußerst folgenreich erweist …

Wer jetzt neugierig geworden ist, der sollte sich einfach auf die Reise mit den Irrfahrern begeben. Das Buch verspricht ein herrliches Lach- und Lesevergnügen. Und es schadet nicht, ein Buch über griechische Götter- und Heldensagen griffbereit zu haben. Ein dickes, aus der Bibliothek, nicht eine der handelsüblichen, dünnen Sagensammlungen. Denn viele der sorgfältig recherchierten Anspielungen und Details, die sich in fröhlich-phantastischen Szenen verbergen, verführen zu einem neugierigen Nachblättern und Weiterlesen.

Und das ist eigentlich das schönste Kompliment, das man einem Buch machen kann.



Pressemitteilung:
Der Schriftsteller Gerd Scherm wird mit dem diesjährigen Friedrich-Baur-Preis für Literatur der Bayerischen Akademie der Schönen Künste ausgezeichnet.
Die feierliche Verleihung des mit 10.000 Euro dotierten Preises findet am 22. Oktober 2006 auf Schloss Lichtenfels in Oberfranken statt.
Gerd Scherm wurde 1950 in Fürth geboren und lebt seit mehr als einem Jahrzehnt in einem alten Fachwerkgehöft in Colmberg-Binzwangen auf der Frankenhöhe. Der vielseitige Autor veröffentlicht Lyrik, Erzählungen, Satiren und Romane. Sein Roman “Der Nomadengott” erschien vor zwei Monaten im Heyne Verlag.

Jetzt haben wir es also amtlich ;) : die Bücher von Gerd Scherm sind lesenswert! Ganz besonders natürlich “Der Nomadengott”. Und für jene, die sich nicht erinnern: die Teestuben-Rezension zum “Nomadengott” wurde hier am 15. Juni 2006 unter dem Titel “Ägypten – einmal anders” veröffentlicht.



Cay Rademachers erster Ägyptenroman, Mord im Tal der Könige, ist ein klassischer, ordentlich geschriebener Krimi. Rechmire, ein ehrgeiziger junger Schreiber des Tschati von Theben, bekommt den Auftrag, einen Mord im Tal der Könige aufzuklären. Kenherchepeschef, der erste Schreiber am Ort der Warheit, in dem die Grabarbeiter der Pharaonengräber leben, ist im beinahe fertiggestellten Grab des Pharao Merenptha erstochen worden. Zunächst deutet alles auf einen Täter aus dem Dorf hin. Und Rechmire findet dort, so unerfahren er ist, auch bald Verdächtige genug. Der leidenschaftliche Maler Parahotep hat offenbar ebenso viel zu verbergen wie Hunero, die hübsche junge Witwe des Toten. Der zweite Schreiber des Dorfes, der nun die Nachfolge seines so plötzlich verstorbenen Vorgesetzten antreten soll, ist auffällig darauf bedacht, den fremden Ermittler wieder loszuwerden. Und selbst der erblindende Amunpriester Kaaper, der Rechmire eigentlich bei seinen Nachforschungen unterstützt, scheint Geheimnisse vor ihm zu haben. Gerade als Rechmire dann glaubt, den Kreis der Verdächtigen endlich einengen zu können, geschieht ein weiterer Mord, und Rechmire wird mit schrecklicher Gewissheit klar, dass der Mörder etwas mit den mächtigsten Männern Thebens zu tun haben muß. Wird er es schaffen, ihn dennoch zu stellen? Es bleibt nur wenig Zeit, um einen weiteren, noch grauenhafteren Mord zu verhindern…

Die Auflösung des Rätsels ist, dies sei zur Handlung angemerkt, ab einem gewissen Punkt für den geübten Leser vorhersehbar. Dennoch bleibt die Spannung, ob und wie es Rechmire nun gelingt, den Täter zu überführen, bis zum Schluß erhalten. Rechmire selbst ist ein durchaus nicht unsympathischer, aber auch nicht ganz konventioneller Held, mit seinem Ehrgeiz, seinem Stolz und seiner anfänglich offen zur Schau getragenen Verachtung für Sklaven, einfache Handwerker – überhaupt jeden, der gezwungen ist, mit den Händen zu arbeiten. Gerade das macht die Entwicklung, die er im Laufe des Romans durchläuft, so interessant – und ihn als Charakter so glaubwürdig menschlich. Die anderen wichtigen Figuren erscheinen ebenfalls sehr sorgsam gezeichnet, die nicht unmittelbar an der Handlung beteiligten Personen allerdings bleiben ein wenig skizzenhaft. Das Bild, das Cay Rademacher insgesamt von der altägyptischen Gesellschaft zeichnet, wirkt etwas düsterer und härter als bei einigen anderen Autoren – was durchaus damit zusammenhängen kann, das der ermittelnde Held dieses Mal kein Adliger, Vertrauter des Pharao oder zumindest Angehöriger der Mittelschicht ist, sondern lediglich ein armer, kleiner Schreiber ohne jegliche Machtbefugnis. Ein paar kleine, stilistische Schnitzer finden sich auf den knapp 400 Seiten – zum Beispiel die Beschreibung eines hethitischen Schildes, der “wie eine Acht” aussieht – ein Vergleich, der ein wenig unpassend wirkt, angesichts der Tatsache, dass der Held, der ihn betrachtet, in Hieroglyphen schreibt. Aber insgesamt ist der Roman gut und spannend geschrieben und dabei gerade so detailreich, dass sich die Ereignisse wirklich im alten Ägypten abzuspielen scheinen und nicht nur vor dessen Kulisse.

Fazit: “Mord im Tal der Könige” ist sicher kein absoluter Spitzenreiter unter den Altägypten-Kriminalromanen, aber doch solide gemacht und fesselnd genug, um auch ein zweites oder drittes Mal gelesen zu werden. Schade, das Cay Rademachers nächster Krimi im alten Rom angesiedelt war ;) .



Ägypten in den letzten Regierungstagen Ramses III. Sermerchet, vormaliger Sekretär für “Strafverfolgung und Geheimes”, war dem Alkohol verfallen, nachdem seine Frau Naia ihn verlassen hatte. Als ihn aber, dank der Vermittlung seines Bruders Nenri, die Verwalter Thebens mit der Aufklärung des scheinbar belanglosen Mordes an einer alten Priesterin betrauen, wird er überraschend schnell wieder zu einem nüchternen, hartnäckigen Ermittler – sehr zum Bedauern seiner Auftraggeber, die es, wie er bald feststellen muss, weitaus lieber gesehen hätten, wäre der “Trunkenbold” gescheitert.

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Ja, das gibt es tatsächlich: die berühmte Schöpferin von Hercule Poirot und Miss Marple hat einen Kriminalroman geschrieben, der im alten Ägypten spielt.
Inspiriert wurde sie dazu durch jene Ägyptenreise, der wir auch “Tod auf dem Nil” verdanken, sowie durch ihre Bekanntschaft mit Ägyptologen. Liebevoll geschrieben und – nach dem damaligen Stand der Wissenschaft – hervorragend recherchiert ist dieser Roman, der sogar teilweise auf originalen Papyri basieren soll.

Die junge Renisenb ist nach dem Tod ihres Mannes auf das Gut ihres Vaters, des Ka-Priesters Imhotep, zurückgekehrt. Sie hofft, im vertrauten Schoß der Familie wieder Ruhe zu finden. Doch schon bald beginnen sich die Ereignisse zu überstürzen: Ihr schon lang verwitweter Vater bringt unerwartet eine Konkubine von der Reise mit, die schöne und stolze Nofret. Diese beginnt, die Bewohner des Hauses auf subtile Weise gegeneinander aufzuhetzen. Als Nofret schließlich von einer Klippe stürzt, steht Renisenb vor der entsetzlichen Frage, wer aus ihrer Familie der Mörder sein könnte. Einer ihrer Brüder – der eingebildete, temperamentvolle Sobek? Der ruhige, gewissenhafte Yahmose? Oder der verwöhnte Ipy? Hat Yahmoses zänkische Frau Satipy etwas damit zu tun? Welches Geheimnis umgibt die stets jammernde, alte Dienerin Henet, die so auffällig hoch in Imhoteps Gunst steht? Und wer ist dieser beunruhigend gutaussehende Kameni, der, angeblich in Verwaltungsangelegenheiten, von einem anderen Besitz Imhoteps kam und Nofret viel zu gut gekannt zu haben scheint. Renisenbs einzig wahre Stütze scheint der Schreiber ihres Vaters, Hori zu sein, der auch bald einen Verdacht hegt. Aber dann geschehen weitere Morde. Und während der Verdacht laut wird, Nofrets rächender Geist könnte aus dem Jenseits zurückgekehrt sein, versuchen Renisenb, Hori und die alte Großmutter Esa verzweifelt, dem Mörder auf die Spur zu kommen … denn niemand weiß, wer das nächste Opfer sein wird.

Es ist eine interessante Mischung: einerseits typisch Agatha Christie, mit vielen Verdächtigen, unzähligen Möglichkeiten mitzurätseln und einem dennoch völlig überraschenden Ende. Auf der anderen Seite bekommt dieser vertraute, englische Stil einen völlig neuen Flair, in seinem “altägyptischen Gewand”. Die Hauptperson Renisenb ist keine aktive Ermittlerin, wie Miss Marple, sondern vielmehr eine Beobachterin. Der Leser erlebt, ihr sozusagen über die Schulter blickend, die Ereignisse in Imhoteps Haus mit. Die Handlung spielt sich, ohne deshalb an Spannung einzubüßen, im privatesten Kreis der Familie ab und bleibt eng auf das Anwesen Imhoteps begrenzt. Die zarte Liebesgeschichte, die Agatha Christie eingebaut hat, gibt der sonst sehr passiven und daher eher uninteressanten “Hauptperson” Renisenb noch ein wenig zusätzlichen Reiz, denn die Entscheidung, die Renisenb zwischen dem gutaussehenden Kameni und dem sanften, vernünftigen Hori treffen muss, verflicht sich mit den Morden: jeder von beiden könnte auch der Täter sein…

Fazit: ein typischer Agatha Christie im alten Ägypten – das ist sowohl für Krimi- wie für Altägyptenfans sicher ein Leckerbissen. Der Roman ist recht kurz, im englischen Original (”Death comes as the End”, auf das sich übrigens hier auch die Personennamen beziehen) nur 191 Seiten. Dennoch, oder gerade deswegen, eine nette Kleinigkeit für zwischendurch, wenn man von der großen Politik der Pharaonen eine kleine Erholungspause braucht.



Der junge Arzt Nekao arbeitet, nachdem er als Student unversehens zwischen die Fronten der Amun-Priesterschaft und der Anhänger des regierenden Pharao Echnaton geraten war, endlich als Gehilfe seines Onkels in Theben. Dort verliebt er sich in Tamid, die Tochter eines Adligen, der alles versucht, die unstandesgemäße Verbindung zu verhindern. Nekao wird, auf sein Betreiben, als Armeearzt in den Osten geschickt, wo General Nachtmin verzweifelt versucht, die ägyptische Grenze gegen die Hethiter zu verteidigen. Nekao erlebt den Krieg und gewinnt allmählich Ansehen als Arzt. Er gelangt sogar bis an den Hof König Ribaddis von Byblos – hofft aber immer noch, nach Ägypten zu seiner Tamid zurückkehren zu können. Als er jedoch endlich als Leibarzt Echnatons zurückgerufen wird, ist seine Geliebte mit einem anderen Mann verheiratet, und er selbst gerät mitten hinein in die mörderischen Machtkämpfe am Hof, wo Amunpriester, Generäle und Atonisten auf jede Schwäche des kränkelnden Pharao lauern, der fest entschlossen ist, seine Religionsreform nun endgültig durchzusetzen – koste es, was es wolle…
Das Buch mag nicht mehr brandaktuell sein (die deutsche Ausgabe erschien 1979), aber dennoch ist es eine Empfehlung wert, zumal der Autor in Deutschland, leider, kaum bekannt ist. Spannend und flüssig geschrieben, mit enormer Sachkenntnis und vielen Details zum alten Ägypten, ganz gleich, ob es um Längen- und Gewichtmaße, medizinische Kenntnisse oder die Religion geht. Manchmal sind die Passagen, in denen die Figuren derartige Informationen in den Mund gelegt bekommen, allerdings etwas zu lang, um völlig natürlich zu erscheinen. Ausgesprochen positiv ist zu vermerken, dass Tacconi sich um einen objektiven Blick auf die Atonreligion und ihre Gegner bemüht und beide Parteien zu Wort kommen lässt – was ihm besonders gut gelingt, weil der Held Nekao keiner von beiden Gruppen wirklich angehört. Ob der Roman außerdem noch eine “zauberhafte Liebesgeschichte” ist, wie der Klappentext behauptet, sei dahingestellt – die Geliebten sind sich größtenteils fern, in weiten Teilen geht es um Politik, Krieg und Intrigen. Das Ende wirkt ein wenig zu kurz und plötzlich, um das auszugleichen.
Fazit: wer einen “klassischen” Altägypten-Liebesroman lesen möchte, sollte sich vielleicht an andere Bücher halten. Und vermutlich ist Tacconi weder an Spannung noch an Detailreichtum mit absoluten Spitzenautoren wie Christian Jacq zu vergleichen. Aber dennoch bietet er für Altägyptenfans wirklich hervorragendes Lesefutter – auch und gerade dann, wenn man, dank häufiger Lektüre, hinsichtlich der Hintergrundinformationen schon ein wenig anspruchsvoller geworden ist.



Nagib Mahfouz (auch geschrieben “Mahfuz”) gilt als einer der bedeutendsten (lebenden) ägyptischen Schriftsteller und wurde 1988 mit dem Literaturnobelpreis auszeichnet. Nicht nur deshalb aber habe ich “Thebes at War” (deutscher Titel “Theben”) auch unter “Literatur” eingeordnet. Es ging mir vor allem darum, dass das Buch sich, aus heutiger Perspektive wenigstens, unmöglich einfach nur als historischer Ägyptenroman lesen lässt. Obwohl es spannend geschrieben ist, gibt es zahlreiche Aspekte, die einem unvorbereiteten Leser seltsam, vielleicht sogar unangenehm auffallen werden. Eine gewisse “literaturwissenschaftliche” Neugier ist also angebracht, ehe man mit dem Lesen beginnt.

Denn der Zeithintergrund ist zum Verständnis des Romans ausgesprochen wichtig: “Thebes at War” entstand 1941 anlässlich eines Preisausschreibens, als dritter Roman des Autors, der ursprünglich plante, die gesamte Geschichte Ägyptens in einer Romanreihe nachzuzeichnen. (Nach “Thebes at War”, das 1944 erschien, kam er allerdings von diesem Vorhaben ab und wandte sich zeitgenössischen Stoffen zu.) In den 1940ern nun befand sich Ägypten, obwohl seit 1922 offiziell unabhängig von England, praktisch immer noch in vielfältiger Abhängigkeit von der ehemaligen Kolonialmacht (bis hin zur britischen Besetzung des Gebietes um den Suez-Kanal). Auf der anderen Seite begann man außerdem, im Zuge des seit dem 19. Jahrhundert allmählich wachsenden Nationalgefühls, die vorwiegend türkisch-sprachige Oberschicht Ägyptens als fremd zu empfinden, die noch aus Zeiten der Osmanenherrschaft stammte. Gegen welche von beiden Gruppen sich Mahfouz in seinem ausgesprochen patriotischen Roman wendet ist unklar. Sehr wahrscheinlich sind sogar beide gemeint. Unter dem Denkmantel des historischen Romans prangerte der Autor scharf den Absolutismus des Königshauses, die Kolonialmacht Britannien, die genannte türkisch-sprachige Oberschicht und vor allem die aus all diesem resultierenden sozialen Mißstände an. Und sicher stellt der Roman auch einen Versuch dar, durch die Rückbesinnung auf eine große historische Vergangenheit das Selbstbewußtsein der Ägypter in der Gegenwart zu stärken – das Buch ist ein leidenschaftlicher Aufruf an alle Ägypter, sich gegen jede Art der Fremdherrschaft und Ungerechtigkeit zusammenzuschließen. Nicht ohne Grund gewann “Thebes at War” damals dann auch besagtes Preisausschreiben und wurde von Sayyid Qutb, der später die ägyptische Muslimbruderschaft führte und zu diesem Zeitpunkt ein führender Literaturkritiker war, gelobt als ein historisches Werk, das “junge Leute die wahre Liebe zu ihrem Land” lehren könne.

Mahfouz nutzt die Vertreibung der Hyksos aus Ägypten durch Pharao Ahmose als Folie für seinen Roman. Ich sage bewußt: Folie, denn es ging dem Autor um Anderes als um die historisch exakten Abläufe oder ägyptologische Präzision – Ägyptenkenner werden mehr als eine Ungenauigkeit finden. Die Handlung ist denkbar einfach gehalten: Die Hyksos halten Ägypten besetzt und haben beschlossen, auch die letzten Ägypter unter Pharaoh Sequenenra zu vernichten. Dieser widersetzt sich natürlich heldenhaft, stirbt in der Schlacht gegen die Hyksos den Märtyertod (ausdrücklich so genannt), seine Familie zieht sich nach Nubien ins Exil zurück, wo man heimlich eine ägyptische Armee aufbaut, mit der dann Sequenras Enkel Ahmose nach Ägypten zurückkehrt und dieses, ohne Widerstand zu dulden, von den grausamen Fremden befreit. Am Ende fliehen die Hyksos geschlagen aus Ägypten.

Die Rollen sind dabei klar verteilt: die Ägypter – allesamt braunhäutig und dunkelhaarig (demzufolge schön), patriotisch und edel – wenden sich gegen die ausnahmslos weißhäutigen (und hässlichen), grausamen, verschlagenen und zu recht verhaßten Unterdrücker, die Hyksos. Die derart erfolgende, stereotype Trennung von “Gut” und “Böse” nach Völkern, die an zahlreichen Stellen aufscheint, kann man wohl durchaus als Form von “Rassismus” bezeichnen. Auch der “Opfermut”, mit dem Ahmose im Namen des patriotischen Freiheitskampfes immer wieder, ohne jedes Zögern, tausende seiner Soldaten in den Tod schickt, wird den Leser zu wiederholtem Kopfschütteln veranlassen. Die Massaker im Kampf erscheinen als patriotische Heldentat. Selbst als ägyptische Frauen und Kinder von den Hyksos als lebendige Schutzschilde gegen Ahmoses Armee benutzt werden und dieser dennoch den Angriff seiner Soldaten befiehlt (den Tod der Geiseln als “Opfer für ihr Vaterland” in Kauf nehmend), verliert er dabei nicht im Geringsten Nimbus als unanfechtbar edler Held. Dass sämtliche Ägypter bereitwillig und gerne für die Freiheit ihres Landes sterben (die als Schutzschild benutzten ägyptischen Frauen “nicken zustimmend”, als sie von den Pfeilen der eigenen Soldaten durchbohrt werden), beruhigt da wenig. Und die fast durchweg brutalen, stets goldgierigen Hyksos sind zwar im Rahmen Handlung hervorrangende Bösewichte, jedoch erscheint die drastische Schwarz-Weiß-Zeichnung einem an “gemischtere” Romangestalten gewöhnten Leser auf Dauer leicht ein wenig zu eindimensional.

Etwas vielschichtiger sind nur sehr wenige Personen. Vor allem zu nennen ist hier die Hykso-Prinzessin Amenirdis, in die sich Ahmose leidenschaftlich verliebt. (Sie ist, möglicherweise aus praktischen Gründen angesichts einer Liebesaffäre, auch der einzig wirklich “schöne” Hykso.) Natürlich darf diese Liebe nicht glücklich werden – Amenirdis geht mit ihrem Vater, dem geschlagenen Hykso-König Apophis, in die Wüste und Ahmose regiert an der Seite seiner ägyptischen Königin. Aber immerhin ist Amenirdis, obwohl stolz und aufbrausend und ihrerseits unbeirrbar für das eigene Volk einstehend, nicht durchweg negativ gezeichnet.

Insgesamt ist “Thebes at War” also ein nicht ganz einfach zu lesendes Buch, das man ab und an aus der Hand legen sollte, um über den genannten historischen Kontext nachzudenken, in dem es steht. Interessant ist es dennoch. Zum einen, weil es sich durchaus spannend liest, wenn man sich von dem “moralischen Stolpern” erholt hat, in das man sich hin und wieder gebracht fühlt. Zum andern ist es interessant, weil es sich natürlich – zumal für in der neueren ägyptischen Geschichte Bewanderte – hervorrangend auf den Zeithintergrund und die sozialkritischen Intentionen des Autors hin analysieren ließe. Außerdem aber, und dies ist vielleicht das Faszinierendste – zeigt sich im Roman etwas, das durchaus auch zu Ahmoses Zeiten schon so gewesen sein könnte, ohne deshalb heute an Aktualität eingebüßt zu haben: Es wird offenbar, wie unversöhnlich und explosiv die Feindschaft zwischen zwei Parteien werden kann, wenn sich Erfahrungen jahrzehntelanger Ungerechtigkeit und Unterdrückung und das berechtigte Streben nach Veränderung mit tief verwurzelten Vorurteilen, generationenlang gepflegten Vergeltungswünschen und religiösen Aspekten zu einem brennenden Patriotismus mischen. Dass man hier sozusagen durch die Augen einer der betroffenen Parteien blickt, ist beunruhigend, bewegend, verwirrend und zugleich aufschlußreich.

Anzumerken ist noch, dass es im Anchor-Verlag (N.Y.) eine sehr gute, englische Übersetzung von 2003 gibt, mit einem hervorragenden Vorwort des Übersetzers Humphrey Davies, in dem er ausführlicher auf den besagten Enstehungshintergrund eingeht. Und eine gute Kurzbiographie des Autors gibt es hier.



Ja, wieder einmal Ägypten, aber dieses Buch hier ist, mit Sicherheit, auch für Nicht-Ägyptomanen ein Lesevergnügen. Und "Vergnügen" meine ich hier wörtlich :) ! Um eine kurze Vorstellung von diesem Buch zu vermitteln, könnte man fragen: was würde passieren, wenn ein Terry Pratchett sich mit der altägyptischen Götterwelt und dem berühmten Auszug aus Ägypten befassen würde?

Ich denke, herauskommen würde etwas wie "Der Nomadengott" von Gerd Scherm.

Wir befinden uns im Jahre 1500 v. Christus. Alles beginnt damit, dass Pharaoh Ahmose beschließt, die Hyksos – die vor Generationen als Wirtschaftsflüchtlinge nach Ägypten kamen, sich dann zu bösen Fremdherrschern aufschwangen, mittlerweile aber eigentlich friedlich als Devotionalienhändler oder Badeaufseher arbeiten – aus dem Land am Nil zu vertreiben. Und angesichts der Umstände machen sie die Hyksos lieber auf den Weg, ehe sie hinausgeworfen werden. Während sich eine Gruppe, deren Geschichte heute noch relativ bekannt ist, um Moses und Aaron schart, folgt der Roman einem anderen (heute leider weniger bekannten) Häuflein Hyksos, um den Schreiber Seshmosis. Jene kleine Gruppe, die sich aus strategischen Gründen in "Tajarim" umbenennt, stellt irgendwann zu ihrer Verwunderung fest, dass sie von GON ("Gott ohne Namen") auserwählt worden ist. Ganz zu schweigen davon, daß außerdem einer der ihren (der Devotionalienhändler) versehentlich das magische Ankh des Krokodilgottes Suchos in die Finger bekommen hat und nun erstens hübsch grünlich leuchtet und zweitens so das Augenmerk der ägyptischen Götter auf die kleine Schar zieht – was weitreichende Konsequenzen hat. Und während GON, der ein wenig kurzsichtig ist (ein kleines Problem, wenn die Macht eines Gottes nur so weit reicht, wie er sehen kann…) und vorzugsweise als Katze erscheint (weil er nur Erscheinungsformen in der Größe 30 x 30 Zentimeter annehmen kann), mit dem Schreiber Seshmosis über die sinnvolle Ausführung von Geboten diskutiert ("Du sollst nicht töten – es sei denn, dir will jemand an den Kragen…"), klaut der böse Dämon Apophis die Sonnenbarke des Ra, Stiergott Apis schmuggelt sich in die Rinderherde der Tajarim, um besagtes Ankh im Auge zu behalten, die Tajarim beschließen in demokratischer Abstimmung den Auszug aus Ägypten aufzuschieben, um erst einmal die Pyramiden zu besichtigen…

Es ist eine verrückte Geschichte, hinreißend komisch, dabei aber gleichzeitig verblüffend tiefgründig. Man lernt viel über die Götterwelt (nicht nur über die ägyptische), erfährt einige amüsante geschichtliche Details (wusste jemand hier, dass es die alten Griechen waren, die die schönen ägyptischen Benben-Steine in "Obelisken" – d.h. "Bratspieße" umtauften?) und bekommt mit einem fröhlichen Augenzwinkern einige eigentlich doch sehr nachdenklich stimmende Denkanregungen serviert (nicht nur zum Thema "Zehn Gebote"). Sicher, echte Ägyptomanen mögen bemängeln, dass es der Autor mit den historischen Details nicht ganz so genau genommen hat, wie mit den mythologischen. (Oder die im Rahmen dieses Romans schlicht nicht genauso wichtig waren?) Und vielleicht hätte die vielversprechende Geschichte um das Ankh eine etwas größere Rolle spielen können. Aber andererseits wartet das Buch mit einem derartigen Feuerwerk witziger Einfälle und Überraschungen auf, dass man über solche Kleinigkeiten gern hinwegsieht.

Alles in allem also ein echter Leckerbissen – für Ägyptomanen ebenso wie für alle, die über Götter und Menschen gleichermaßen lachen können.

Und wer jetzt neugierig geworden ist: www.nomadengott.de ist die Homepage des Autors. Sogar eine Fortsetzung, "Die Irrfahrer", ist dort angekündigt, sie soll 2007 erscheinen. Wir freuen uns darauf – dann geht es offenbar mit der griechischen Götterwelt weiter ;) .



Dieses Buch ist, zur Abwechslung, einmal auf Englisch. Aber keine Angst – die "Altersfreigabe" ist "10 up", d.h., sogar Englischbanausen wie ich können es problemlos und mit Vergnügen lesen.

Wie die Kategoriewahl andeutet: es geht, mal wieder, um das alte Ägypten. Die Hyksos sind, um ca. 1500 v. Chr., schon seit langer Zeit unumstrittene Besatzer Ägyptens und haben sich in Avaris, einer von ihnen errichteten Festungsstadt im Nildelta, häuslich eingerichtet. Doch unter Pharao Sekenenre Tao beginnt sich Widerstand gegen die Fremdherrscher zu formieren. Der junge Rahotep, zweiter Sohn des Vizekönigs von Kusch, folgt, als er nach dem Tod seines Vaters von seinem älteren Bruder Unis vertrieben wird, dem Ruf des Pharaos in den Norden Ägyptens. Dort gerät er nicht nur mitten in den Krieg gegen die grausamen Hyksos. Beinahe ebenso gefährlich für ihn und seine Freunde, sind die Verschwörungen am Hof – denn der oberste Wesir und die Anubis-Priesterschaft wenden sich gegen die Aufstandspläne des Pharao und planen einen Anschlag auf dessen Leben…

Nun, wer die Geschichte Ägyptens kennt, weiß: Sekenenre Tao wird sterben (in der offiziellen Geschichtsschreibung fiel er allerdings in einer Schlacht), auch sein Erbe Kamose wird ihm nach kurzer Zeit folgen (auch wenn er am Ende des Buches noch lebt). Den Thron wird Ahmose besteigen, der jüngere Bruder Kamoses, der einst Bezwinger der Hyksos und Begründer des "Neuen Reiches" werden soll. Und mit eben diesem wagemutigen Prinzen hat unser Held Rahotep soeben Freundschaft geschlossen… wir dürfen also Spannung erwarten.

Und spannend wird es in der Tat, soviel kann ich versprechen. Das Buch hat alles, was ein guter historischer Schmöker braucht: viele spannende Kämpfe, ein paar dramatische Verletzungen, Verschwörungen, richtig schöne Bösewichter und interessante Nebenfiguren. Der historische Hintergrund ist dabei gut gelungen, obwohl die Autorin sonst mehr für SiFi- und Fantasyromane bekannt ist. Wirklich einziger Nachteil an diesem Roman: er ist zu kurz. Vermutlich, weil er als Kinderbuch konzipiert wurde, ist er nur knappe 250 Seiten lang – das reicht natürlich nicht für den kompletten Hyksoskrieg. Gerade also, als das Kampfgeschehen richtig losgehen müßte… ist die Geschichte zu Ende. Die erzählte Handlung ist lediglich eine Art "Episode" inmitten des beginnenden Krieges. Zudem werden, aufgrund dieser Kürze, auch einige vielversprechend beginnende Handlungsstränge zu knapp gehalten – der Bruderzwist zwischen Rahotep und Unis, die Anubispriester-Verschwörung, der rebellische Teti, der Unis dessen Trohn in Kush abnehmen möchte: daraus hätte man viel, viel mehr machen können. 

Viele gute Ansätze also, und leider keine Fortsetzung. Es wird auch keine mehr geben, denn das Buch erschien 1960, und Andre Norton ist, leider, 2005 verstorben. Man muss die Geschichte um Rahotep, seinen schwarzen Leoparden Bis, seinen Freund Kethi, die Prinzen Kamose und Ahmose und die bösen Anubispriester und Hyksos also selbstätig weiterspinnen. Aber andererseits: das kann ja auch sehr lustig sein ;)



Dieser Roman ist thematisch nicht ganz leicht einzuordnen. Da er im alten Ägypten spielt, passt er zu meinen Ägyptenromanen, aber er enthält eine gehörige Portion – ja was? Mystik? Fantasy? Grusel? Eine Alternative wäre, für ihn eigens die Rubrik "Kuriositäten" zu schaffen.

Kurios ist er deshalb, weil dieses Buch das wirklich einzige in meinem Bücherschrank ist (und der ist nicht gerade klein!), bei dem ich partout nicht weiß, was ich davon halten soll.

Einerseits habe ich selten ein Buch gelesen, das derartig spannend war. Von der ersten bis zur letzten Zeile habe ich, buchstäblich, an den Seiten geklebt!ezpi_blueface.gif

Und andererseits habe ich – gleichzeitig – pausenlos mit dem Buch gehadert.

Wie das zusammenpaßt? Nun, es hängt mit der Hauptperson zusammen. Khamwaset, der Sohn des Pharao Ramses. Er ist zu Beginn des Buches bereits ein angesehener Priester, Amtsträger und Familienvater, der – neben den Aufgaben, die er als königlicher Prinz versieht – in seiner Freizeit auf der Suche nach alten Schriftrollen ist. Besonders eine hat es ihm angetan: die Schriftrolle des Gottes Toth, von der es heißt, sie verleihe ihrem Besitzer die Macht, die Toten aufzuwecken und Unsterblichkeit zu erlangen.

Ja, Tote aufwecken… wir ahnen, dass das nicht gutgehen kann. Dabei scheint das, was geschieht, kaum dass er die Schriftrolle gefunden hat, zunächst wenig mit Toten zu tun zu haben: wie aus dem Nichts taucht eine geheimnisvolle, wunderschöne Frau auf. Sie schlägt Khamwaset sofort in ihren Bann. So sehr, dass er die Fremde zu seiner Nebenfrau macht, ohne die geringste Rücksicht auf seine Familie oder die Wünsche des Pharao. Und damit nimmt das Verhängnis seinen Lauf, für Khamwaset und die Seinen, denn die Fremde und ihren erwachsenen Sohn umgibt ein schreckliches Geheimnis…

Und nein, jetzt ich werde nicht noch mehr verraten, die Andeutung, zu was die Schriftrolle so alles in der Lage ist, sollte genügen ;) .

Wie gesagt, das Buch ist schwer einzuordnen. Horrorroman im alten Ägypten? Das würde gerade zum Ende hin zutreffen. Fantasy? Auch, in gewissen Teilen – gerade bei einer eigenartigen Zeitschleife, die erst zum Schluss des Romans als solche erkennbar wird. Historischer Roman? Durchaus: Altägypten ist Altägypten (die Autorin hat auch "klassische" Ägyptenromane geschrieben, die alle sehr gut recherchiert waren) und viele der beteiligten Personen – Khamwaset eingeschlossen – haben tatsächlich einmal gelebt. Es ist eine ungewöhnliche Mischung.

Das Widersprüchlichste an diesem Buch ist aber der Held. Wie gesagt: der Roman ist irrsinnig spannend – so spannend, dass man es nicht schafft, ihn beiseite zu legen, obwohl man, ab einem gewissen Punkt, Khamwaset am liebsten selbst erwürgen würde – ohne auf das böse Ende zu warten, auf das er zusteuert. Er wird im Laufe der Handlung zusehens unsympathischer. Egoistisch, passiv, manipulierbar, naiv, herzlos… kein "Held" mit dem man sich auch nur im geringsten identifizieren könnte. Und trotzdem liest man bis zum Schluss weiter…und wird nicht einmal mit einem eindeutigen Happy-End belohnt, sondern mit einem echten Tragödienschluss … und der erwähnten Zeitschleife, die alles irgendwie offen lässt. Selbst mit dem Ende hadert man also.

Und wünscht sich gleichzeitig, das Buch wäre noch einmal so dick.

Ich kann daher keine eindeutige Leseempfehlung aussprechen. Wer einen "normalen" historischen Roman mit einem netten Haupthelden zum mitfiebern und dem typischen "sie-lebten-glücklich-und-zufrieden"-Ende sucht, sollte tunlichst die Finger davon lassen. Wer allerdings spannend unterhalten werden will (und ein klein wenig experimentierfreudig ist, hinsichtlich des Genres), der kann es durchaus versuchen – und sollte gleich ein paar Stunden am Stück für das Lesen einplanen. lesen.gif